Lungenmetastasen
1.1 Definition
Lungenmetastasen sind sekundäre maligne Tumoren, die durch hämatogene oder lymphogene Ausbreitung eines Primärtumors entstehen. Sie treten häufig bei Krebserkrankungen wie kolorektalem Karzinom, Mamma-Karzinom, Nierenzellkarzinom und Melanom auf.
1.2 Epidemiologie und Pathogenese
Epidemiologie
Lungenmetastasen sind eine der häufigsten Manifestationen von Fernmetastasen. Sie werden bei ca. 30% aller Patienten mit malignen Tumoren festgestellt.
Pathogenese
Die Lunge ist aufgrund ihrer ausgedehnten Kapillarbettstruktur ein häufiges Zielorgan für die hämatogene Metastasierung. Darüber hinaus erreichen die Tumorzellen über das lymphatische System.
Pathologie und Histologie
Lungenmetastasen entstehen häufig durch Tumoren des Gastrointestinaltrakts, insbesondere Adenokarzinome des Kolons, Magens und pankreatikobiliären Systems. Ebenfalls häufig sind Tumoren der Niere, vor allem das klarzellige Nierenzellkarzinom, sowie Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs und des Ösophagus. Weitere wichtige Primärtumoren sind Adenokarzinome der Brustdrüse und Schilddrüse sowie Hodentumoren. Unter den nichtepithelialen Tumoren sind vor allem das maligne Melanom und verschiedene Sarkome als Auslöser von Lungenmetastasen zu nennen.
1.3 Klinik und Symptomatik
Die meisten Lungenmetastasen sind asymptomatisch und werden zufällig im Rahmen von Bildgebungsuntersuchungen entdeckt. Bei symptomatischen Patienten können Husten, Hämoptysen, Dyspnoe und thorakale Schmerzen auftreten.
1.4 Diagnostik
Diagnostische Maßnahmen umfassen: - Bildgebung: CT-Thorax ist der Goldstandard zur Detektion und Beurteilung von Lungenmetastasen. Lungenmetastasen präsentieren sich oft als multiple, glatt abgegrenzte Rundherde in den Lungen. Sie können jedoch auch solitär auftreten. PET-CT kann ergänzend zur Beurteilung des systemischen Tumorstatus herangezogen werden. - Biopsie: Histologische oder zytologische Untersuchung (z.B. durch CT-gesteuerte Biopsie oder Bronchoskopie) zur Bestätigung der Diagnose.
1.5 Differentialdiagnose
Differenzialdiagnosen umfassen: - Primäre Lungentumoren - Benigne Läsionen (z.B. Granulome, Hamartome) - Infektiöse Prozesse (z.B. Tuberkulose, Pilzinfektionen)
1.6 Therapie
1.6.1 Operative Therapie
Die chirurgische Resektion der Lungenmetastasen (Metastasektomie) hat sich seit 1980er Jahre bei sorgfältig selektierten Patientinnen und Patienten etabliert. Obwohl die einzige prospektiv randomisierte Studie, die den Überlebensvorteil der Metastasektomie gegenüber anderen Therapiemaßnahmen untersucht, frühzeitig beendet wurde, haben die Register-Daten und groß angelegten, retrospektiven Studien gezeigt, dass die Resektion der Lungenmetastasen mit geringer Morbidität, Mortalität und gutem Langzeitüberleben verbunden ist[1].
Die Indikation zur Metastasektomie wird individuell und interdisziplinär unter Berücksichtigung der Gesamtprognose gestellt. Gemäß dem Experten-Konsens über die Indikationsstellung sind die folgenden Kriterien bei der Patientenselektion besonders zu achten [2]:
- Lokale Kontrolle des Primäriums,
- "Stable Disease“, bzw. keine Zunahme der Anzahl der Lungenmetastasen vor der Metastasenresektion, - Möglichkeit für komplette Resektion aller Lungenmetastasen - funktionelle Operabilität für die geplante Resektion
- extrapulmonale, ebenfalls resektable bzw. kontrollierbare Metastasen sind abhängig vom Primärtumorentität keine Kontraindikation,- keine weitere Therapiemaßnahme mit höherer Effektivität vorhanden.Die Techniken der Metastasektomie umfassen Keilresektion, Laserenukleation, Segmentektomie oder Lobektomie, abhängig von der Lokalisation und Anzahl der Lungenmetastasen. Die laserunterstützte Chirurgie ermöglicht eine parenchymsparende Resektion der Metastasen. Im Vergleich zur herkömmlichen Keilresektion können dadurch auch mehrere Metastasen in einem Eingriff entfernt werden, während die Lungenfunktion weitgehend erhalten bleibt. Laut Expertenkonsens wird die Entnahme von Lymphknoten während der Metastasektomie empfohlen. Der Nachweis eines mediastinalen Lymphknotenbefalls gilt als ungünstiger prognostischer Faktor und beeinflusst die weitere Therapieplanung sowie die Prognose.
1.6.2 Nicht-operative Therapie
- · Strahlentherapie
Die Ablationstechniken wie z.B. Radiofrequenzablation, stereotaktische Strahlentherapie (SBRT) sind Alternative, besonders die Optionen für inoperable Fälle.
- · Systemische Therapie
Systemische Therapien wie Chemotherapie, zielgerichtete Therapien oder Immuntherapie werden bei inoperablen Patientinnen und Patienten oder als Ergänzung zur Operation eingesetzt.
1.7 Komplikationen
Nach chirurgischen Eingriffen der Lunge können spezifische Komplikationen auftreten, die engmaschige Überwachung erfordern. Häufige postoperative Komplikationen sind:
- · Atemwegskomplikationen: Bronchopneumonie, prolongierte Luftfistel, Pneumothorax, Bronchusstumpfinsuffizienz und Pleuraerguss, die eine verlängerte Thoraxdrainage erforderlich machen können.
- · Kardiale Komplikationen: Vorhofflimmern und andere Arrhythmien, die insbesondere bei Pneumonektomie durch den erhöhten intrathorakalen Druck begünstigt werden.
- · Infektionen: Postoperative Pneumonien und Wundinfektionen, die eine antibiotische Therapie und in schweren Fällen eine intensivmedizinische Betreuung erfordern.
- · Thromboembolische Ereignisse: Tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien, besonders bei Immobilität und prädisponierenden Faktoren.
Das Risiko dieser Komplikationen variiert je nach Operationsausmaß und Patientenzustand. Eine sorgfältige präoperative Risikoeinschätzung und engmaschige postoperative Nachsorge sind essenziell zur Minimierung dieser Risiken.
1.8 Nachsorgeempfehlungen
Die Nachsorge umfasst regelmäßige Untersuchungen mit Bildgebung und Kontrolle von Tumormarken zur Früherkennung von Rezidiven.
1.9 Prognose
Die Prognose hängt von Faktoren wie der Anzahl der Metastasen, der Behandlung des Primäriums und dem Vorliegen extrathorakaler Metastasen ab. Die 5-Jahres-Überlebensrate nach Metastasektomie liegt bei ausgewählten Patienten bei 40–50%.
1.10 Zusammenfassung
Sekundäre maligne Lungentumore bzw. Lungenmetastasen entstehen durch die hämatogene oder lymphogene Ausbreitung eines Primärtumors und treten häufig bei kolorektalem Karzinom, Mamma-Karzinom, Melanom oder Nierenzellkarzinom auf. Sie sind oft asymptomatisch und werden in der Bildgebung entdeckt. Die Diagnostik umfasst Thorax-CT, PET-CT und Biopsien zur histologischen Sicherung. Die Resektion der Lungenmetastasen (Metastasektomie) ist bei enger Indikationsstellung etabliert und stellt eine sichere und potenziell kurative Therapieoption dar.
1.11 Literaturhinweise
1. Pastorino U, Buyse M, Friedel G, et al. Long-term results of lung metastasectomy: prognostic analyses based on 5206 cases. J Thorac Cardiovasc Surg. 1997 Jan;113(1):37-49.
2. Rusch VW. Pulmonary metastasectomy. Current indications. Chest. 1995 Jun;107(6 Suppl):322S-331S. doi: 10.1378/chest.107.6_supplement.322s. PMID: 7781414.
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