Vortrag zum Lungenkrebsscreening: Warum frühe Diagnose Leben retten kann
Gestern durfte ich bei einer Fortbildungsveranstaltung für Hausärztinnen und Hausärzte einen Vortrag über die operative Abklärung und Behandlung von Lungenrundherden im Rahmen des Lungenkrebsscreenings halten. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Früher erkennen, besser begleiten“. Genau darin liegt einer der wichtigsten Fortschritte der modernen Lungenmedizin.
Das Thema gewinnt aktuell zusätzlich an Bedeutung: Ab dem 1. April 2026 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen erstmals ein strukturiertes Lungenkrebs-Screening für bestimmte Risikogruppen. Ziel ist es, Lungenkrebs deutlich früher zu erkennen – noch bevor Beschwerden auftreten. Neues Angebot zur Früherkennung von Lungenkrebs startet Schritt für Schritt (AOK Presse)
Lungenkrebs verursacht im frühen Stadium häufig keine Symptome. Viele Tumoren werden deshalb erst entdeckt, wenn bereits Husten, Atemnot oder Gewichtsverlust auftreten. Moderne CT-Untersuchungen ermöglichen es heute jedoch, bereits sehr kleine Veränderungen in der Lunge sichtbar zu machen. Solche sogenannten Lungenrundherde erscheinen zunächst nur als kleine Schatten im CT-Bild. Dahinter können harmlose Veränderungen, aber auch frühe Tumoren stecken. Es gilt für jeden Rundherd in der Lunge grundsätzlich:
Jeder Rundherd in der Lunge ist so lange krebsverdächtig, bis das Gegenteil bewiesen ist.

In meinem Vortrag habe ich erläutert, warum eine sorgfältige und gleichzeitig zügige Abklärung dieser Befunde so wichtig ist. In der Thoraxchirurgie gilt dabei ein zentraler Grundsatz: „Tissue is the issue“ – letztlich kann nur eine Gewebeprobe sicher klären, ob ein Rundherd gutartig oder bösartig ist. Besonders kleine, randständige oder milchglasartige Veränderungen stellen dabei eine diagnostische Herausforderung dar.
Ein Schwerpunkt meines Vortrags war das sogenannte „One-Step-Konzept“. Dabei werden Diagnose und – falls notwendig – die definitive Operation in einer Sitzung durchgeführt. Zunächst wird der auffällige Rundherd minimal-invasiv entfernt und sofort in der Pathologie mittels Schnellschnitt untersucht. Bestätigt sich dabei ein Lungenkrebs, kann die notwendige Lungenresektion direkt im selben Eingriff erfolgen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das häufig eine kompaktere Behandlung mit weniger Belastung und kürzeren Wartezeiten.
Besonders wichtig ist heute außerdem die gewebeschonende Chirurgie. Moderne minimal-invasive Operationsverfahren ermöglichen zunehmend, nur kleine Teile der Lunge gezielt zu entfernen, beispielsweise im Rahmen einer Segmentresektion. Dadurch bleibt möglichst viel gesundes Lungengewebe erhalten. Gerade ältere Patientinnen und Patienten sowie Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion oder Begleiterkrankungen profitieren davon durch eine schnellere Erholung und eine bessere postoperative Lungenfunktion.
Darüber hinaus habe ich aktuelle Entwicklungen bei fortgeschrittenem Lungenkrebs vorgestellt. Moderne Kombinationen aus Immuntherapie und Chemotherapie vor einer Operation zeigen inzwischen sehr vielversprechende Ergebnisse. Im Lungenkrebszentrum des Klinikums Braunschweig konnten wir dabei hohe Raten kompletter Tumorrückbildungen nach Immunchemotherapie und anschließender Lungenoperation beobachten.
Der Austausch mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen war für mich besonders wertvoll. Denn eine erfolgreiche Behandlung beginnt oft mit der frühzeitigen Erkennung und der engen Zusammenarbeit aller beteiligten Fachrichtungen.
